Günther Jauch macht Stimmenmillionäre
Ihn könnten sich die meisten Bundesbürger als glaubhaften Wahlkämpfer sowohl für SPD, CDU, FDP als auch die Grünen vorstellen. Auch nach Meinung vieler Werbemanager könnte Jauch eine geeignete „Mehrzweckwaffe für Parteien jeglicher Couleur” abgeben.
Der Umfrage zufolge wäre die schrille Rockröhre Nina Hagen eine ideale Wahlkämpferin sowohl für die Grünen als auch für die PDS; Karl Kardinal Lehmann wäre ein klassisches Testimonial für die CDU. Franz Beckenbauer brächte die CSU am besten rüber. Für die SPD gäbe der Nobelpreisträger Günther Grass eine Idealbesetzung ab, aber auch Millionenmacher Günther Jauch, dem gleichzeitig hervorragende Eignung als FDP- und Grünen-Promoter bescheinigt wird – ein ideeller Gesamtwahlkämpfer.
Ähnlich parteiübergreifend könnte auch Ex-Tatort-Star Manfred Krug im Wahlkampf operieren – die Bundesbürger können sich Krugs Engagement zugleich rot, schwarz und gelb vorstellen. Anders Wirtschaftsbosse wie Jürgen Schrempp (DaimlerChrysler) oder Rolf-E. Breuer (Deutsche Bank). Sie wären zwar aus Sicht der gleichzeitig befragten GWA Agenturchefs ideale CDU-Wahlkämpfer; auf den Wunschlisten der befragten Bundesbürger landen sie hingegen weit abgeschlagen.
Ein halbes Jahr vor der Bundestagswahl am 22. September 2002 wollte die Interessenvertretung der besten und leistungsfähigsten deutschen Kommunikationsagenturen, die im GWA zusammengeschlossen sind, wissen: „Was bringt Wahlwerbung mit Prominenten?” 88 Prozent der GWA Agenturchefs sind zwar überzeugt, dass Wahlwerbung (etwa à la SPD) ähnlich funktioniert wie Markenartikelwerbung, aber von klassischen Promi-Kampagnen halten sie wenig.
Grundsätzlich zeigen sich in der Befragung Deutschlands Kommunikationsmanager wesentlich zurückhaltender gegenüber dem Einsatz von Prominenten als die befragten Durchschnittsbürger: Zwei von drei Werbemanagern glauben nicht, dass der Einsatz von Prominenten (prominente Politiker ausgeschlossen) in der kommenden Bundestagswahl von Vorteil wäre. Wichtigste Argumente der Skeptiker: „Prominente wirken gekauft.” „Mangelnde Glaubwürdigkeit/Kompetenz”, „Der Einsatz prominenter Nicht-Politiker entspricht nicht der Seriosität und der gesellschaftlichen Bedeutung einer Bundestagswahl.” Die Argumente der Befürworter in den Agenturen: „Fördert die Identifikation”, „Erhöht die Aufmerksamkeit”, „Hilft, die Distanz zwischen Wählern und Politik zu verringern”.
In diesem Sinne akzeptable Fürsprecher von Parteien sind, gleichermaßen für Bevölkerung wie Werbemanager, der Literat Günther Grass und der Rocksänger Herbert Grönemeyer.






