
In GEO-Projekten arbeiten
Einblicke aus der Praxis von Lukas Menges, W3 digital brands
Lukas Menges ist Managing Partner Technology bei der Digitalagentur W3 digital brands. Auf dem GWA Forentag im Juli hat er über GEO und klare Prozesse zu mehr Sichtbarkeit für Agenturen im KI-Zeitalter gesprochen. Hier schreibt Lukas Menges über eigene Learnings – und beschreibt einen fünfstufigen Prozess für erfolgreiche GEO-Projekte.
Ein Disclaimer vorweg: Fragt man unterschiedliche GEO-Experten, haben diese oftmals unterschiedliche, teilweise sogar gegenteilige Ansichten. Warum? Die Disziplin GEO ist nicht mal zwei Jahre alt. Die Standardwerke dazu müssen erst noch geschrieben werden.
Hier meine 2 Cents dazu.
Bei W3 fragen wir alle neuen Leads, wie sie auf uns aufmerksam wurden. „Chat GPT hat euch empfohlen“ wird mittlerweile häufiger genannt als die traditionelle Google-Suche.
Der missglückte Relaunch unserer eigenen Website vor etwa einem Jahr stellte sich für uns als Wendepunkt unserer gesamten Lead-Strategie heraus. Unsere Strategie zuvor: Keyword-Landingpages, für die wir gefunden werden wollten. So machen das die meisten Agenturen und Unternehmen. Hat jahrelang auch sehr gut funktioniert.
Mit dieser Strategie im Kopf haben wir den Inhalt der Hauptseiten unserer Website radikal weggekürzt – liest doch eh keiner: Unser neuer, kreativer Claim ganz oben, drei ausgewählte Cases und dann direkt zum Call to Action. Wenig Text – der kam dann ja auf den Landingpages. Der Schock kam dann Wochen nach dem Relaunch. Weniger Traffic, fast keine Leads über das Kontaktformular. Bis dahin war unsere Website jahrelang der wichtigste Kanal für Neugeschäft.
Ein Blick in die Search Console brachte auch keine Klarheit: Wir erhielten zwar etwas weniger Klicks als zuvor über Google, ein kompletter Einbruch war aber nicht zu sehen. Unsere Vermutung: KI-Crawler priorisieren die Seiten der Hauptnavigation.
Wir haben uns dann recht schnell entschieden, den Relaunch mit einem radikal neuen Content-Konzept zu wiederholen. Wieder mehr Inhalt auf den Hauptseiten, gut strukturiert und inhaltlich optimiert für KI-Chat-Crawler. Mittlerweile sind wir auf einem ähnlichen Level wie zuvor. Die Learnings waren schmerzhaft, aber wichtig. Wir haben eine Menge darüber gelernt, was man nicht mehr macht.
Mittlerweile liest man in jedem zweiten Linkedin-Artikel, wie man richtig GEO macht. Ich spare mir das Wiederkäuen an dieser Stelle und möchte stattdessen auf den Prozess eingehen, mit dem wir unsere Website GEO-optimiert haben, mit dem wir aber auch in Kundenprojekten arbeiten.
Die fünf Prozessstufen für GEO-Projekte (Auszug):
Strategie
Als Erstes braucht es ein klares Bild der Zielgruppe: Wer ist die Person, die vor ChatGPT sitzt und nach einer neuen Agentur fragt? Danach stellen wir uns die Frage, in welcher Situation sich die Person befindet und welches konkrete Problem sie versucht zu lösen. Zuletzt definieren wir die Frage, die die Person ChatGPT vermutlich stellen würde. Diesen Prozess wiederholen wir so oft, bis alle wesentlichen Szenarien erfasst sind. Die Ergebnisse dokumentieren wir in einer Liste mit vier Spalten (Persona, Situation, Problem und Frage) und meist 20-30 Ergebnissen.
Monitoring
Um später überprüfen zu können, ob unsere Anstrengungen auch wirklich zu den gewünschten Erwähnungen in KI-Chats führen, muss nun ein Monitoring eingerichtet werden. Dafür gibt es mittlerweile zahlreiche Tools. Zu den ersten ihrer Art gehörten peec.ai und otterly. Beide funktionieren gut und können mehr oder weniger dasselbe. Bei W3 nutzen wir peec.ai und geben dort alle unsere zuvor erstellten Prompts ein. Nach ein paar Stunden sind die ersten Ergebnisse sichtbar.
Content
1. Nachdem die Strategie und das Monitoring feststehen, geht es an die Optimierung der Inhalte. Hier die Faktoren, die sich in unserer Praxis als echte Gamechanger erwiesen haben:
2. Klar formulierte Texte: Für Kreative in Agenturen ist das natürlich der Horror, aber KI versteht nicht alle Texte.
3. Genügend Text schreiben: Baut keine Textwüsten, aber etwas Futter braucht die KI schon. Schreibt pro Seite mindestens 500 Wörter, doch bläht den Inhalt nicht künstlich auf.
4. Beantwortet Fragen: Die FAQ-Sektion ist wirklich wichtig geworden. Beantwortet hier auch heikle Fragen wie: “Was kostet eine Website bei euch?” oder “Wann passen wir nicht zu euch?”
5. Vertrauenssignale: Zeigt, was ihr könnt. Verlinkt Awards, Branchen- oder Verbandsmitgliedschaften (beispielsweise eure Mitgliedschaft im GWA) und weitere Auszeichnungen. So baut ihr Vertrauen auf – bei Mensch UND KI.
6. Überarbeitet eure gesamte Website mit diesen Prinzipien im Hinterkopf. Und nicht vergessen: Die KI versucht immer, einen echten Menschen zu imitieren.
Technik
Fast alle SEO-Prinzipien gelten auch im KI-Zeitalter weiter. Achtet jedoch darauf, dass ihr kein JavaScript zum Rendern der Inhalte nutzt, Alternativtexte verwendet und eure Inhalte gut intern verlinkt. Nutzt auch die “llms.txt”-Datei und stellt strukturierte Daten bereit. Um einen schnellen und umfassenden Überblick über die technische Performance einer Website zu bekommen, nutzen wir am liebsten Googles Pagespeed Insights. Ihr erhaltet in vier unterschiedlichen Bereichen einen Score von 1 bis 100, der anzeigt, wie gut eure Website technisch performt. Die Faktoren “Barrierefreiheit”, “Best Practices” und “SEO” sollten 100 betragen. Der Faktor “Performance” ist am schwersten zu optimieren, sollte aber ebenfalls grün sein.
Off-Page
Wir haben nun eine Strategie, ein ordentliches Monitoring und die Website optimal nach Inhalt und Technik aufgesetzt. Der wichtigste Hebel ist jedoch einer, auf den ihr nur bedingt Einfluss habt: der externe Inhalt über euch auf anderen Seiten, den die KI als sehr viel vertrauenswürdiger als eure eigene Website einschätzt.
Welche konkreten Inhalte die KI-Chats dazu bewegt haben, euch zu erwähnen, könnt ihr übrigens den Monitoring-Tools entnehmen. Oder ihr fragt einfach die KI selbst, welche Quellen sie verwendet hat. In rund der Hälfte aller Ergebnisse tauchen sogenannte “Listicals” auf. Das sind zumeist Agentur-Verzeichnisse, die eigene Ranking-Seiten für die besten Agenturen in einem Fach oder in einer Region anzeigen. Die entsprechende Top Platzierung kostet oft einige tausend Euro jährlich.
Doch so sehr es mir auch widerstrebt, viel Geld für eine vermeintlich gute Empfehlung an potenzielle Kunden zu bezahlen, so sehr stelle ich dennoch fest, dass Einträge in den Verzeichnissen wirklich relevant sein können. Meine Empfehlung trotzdem: Versucht zuerst, auf den kostenlosen Quellen zu inserieren.
Diese fünf Schritte wiederholen wir im Vier-Wochen-Rhythmus.
Den vollständigen Text sowie eine übersichtliche Infografik zu den fünf Prozessschritten finden GWA-Mitglieder zum kostenlosen Download auf myGWA (Log-in).
Über den Autor:
Lukas Menges ist Managing Partner Technology bei der Digitalagentur W3 digital brands aus Konstanz & Hamburg. Aus der Software-Entwicklung kommend, beschäftigt er sich seit Jahren intensiv mit KI und neuen Technologien.