
Umfrage zu KI-Kennzeichnungspflicht
Frankfurt / 3. September. Relativ gelassen reagieren die vom GWA befragten Mitgliedsagenturen auf die neue KI-Kennzeichnungspflicht, die seit 1. August für audiovisuelle Inhalte in Werbe- und Marketingmaßnahmen gilt (EU AI Act). Mit rund 66 Prozent begrüßt mehr als die Hälfte der Agenturen die neue Kennzeichnungspflicht und nennt diese „sehr gut” oder „gut”. Knapp 11 Prozent der Befragten halten die neuen Regelungen für „völlig überflüssig”.
Die relative Gelassenheit der Agenturen hat verschiedene Gründe: 85 Prozent sehen keine Auswirkungen der neuen Kennzeichnungspflicht auf den Einsatz von KI in ihren Kampagneninhalten. Nur rund 6 Prozent wollen KI künftig nur noch dort einsetzen, wo sie „rechtssicher nicht gekennzeichnet werden müsste”.
Den Verbraucherinnen und Verbrauchern, so glauben 66 Prozent, wird die neue KI-Kennzeichnung ohnehin „ganz überwiegend egal” sein. Und nur 15 Prozent gehen davon aus, dass die Kennzeichnung hilft, bei VerbraucherInnen mehr Vertrauen zu gewinnen.
Klare Trends gibt es bereits vier Wochen nach Inkrafttreten in der konkreten Handhabung: 35 Prozent der Agenturen wollen darauf achten, Überkennzeichnung zu vermeiden. 31 Prozent richten sich vollständig nach den Kundenwünschen, raten ihnen aber zu größtmöglicher Transparenz. 5,5 Prozent kennzeichnen so wenig wie möglich und nur knapp 2 Prozent kennzeichnen „deutlich sichtbar im Sinne größtmöglicher Transparenz”.
Florian Zühlke, Sprecher GWA Forum Tech & Innovation und Executive Client Service Director AI bei Jung von Matt NECKAR, sagt: „Die Studie zeigt, dass Agenturen durch die Kennzeichnungspflicht weitgehend keine Beeinträchtigung oder Verlangsamung beim Einsatz von KI im Marketing erwarten. Das ist für mich ein klares Zeichen dafür, dass die Kennzeichnung nicht als Bremse verstanden wird, sondern zunehmend als selbstverständlicher Teil professioneller KI-Nutzung.“
Großer Beratungsbedarf auf Seiten der KundInnen
Kritischer fallen die Erfahrungen der Agenturen mit den werbungtreibenden Unternehmen aus. Knapp 33 Prozent der Agenturen sehen ihre KundInnen im Befragungszeitraum (31. Juli bis 31. August) „sehr schlecht” oder „schlecht” auf die KI-Kennzeichnungspflicht vorbereitet. 80 Prozent bestätigen „sachkundigen Beratungsbedarf” auf Seiten der KundInnen. 42 Prozent geben an, ihre KundInnen wollten wissen, wie andere KundInnen die KI-Kennzeichnungspflicht handhaben. 20 Prozent sagen, ihre KundInnen würden eine besonders dezente KI-Kennzeichnung wünschen.
Forensprecher Zühlke sagt dazu: „Agenturen sehen bei sich einen Wissensvorsprung und klare Expertise gegenüber ihren KundInnen. Für sie geht es jetzt darum, einen Spagat zu schaffen: keine Rechtsberatung zu übernehmen, gleichzeitig aber ihre Expertise in Projekte einzubringen und dort auch eine Führungsrolle zu übernehmen. KI-Kompetenz heißt eben auch, sich sicher innerhalb der rechtlichen Regularien zu bewegen.“
91 Prozent haben oder erarbeiten eine eigene Agentur Policy
Tatsächlich geben im Befragungszeitraum 29 Prozent der Agenturen an, auf die neue Kennzeichnungspflicht „sehr gut vorbereitet” zu sein, 46 Prozent „gut”. Über eine eigene Agentur Policy zur KI-Kennzeichnung, die für alle erstellten audiovisuellen Inhalte Gültigkeit hat, verfügen zu diesem Zeitpunkt 51 Prozent, 40 Prozent arbeiten daran. 7 Prozent der Agenturen verzichten auf eine eigene Policy und erarbeiten die KI-Kennzeichnungen jeweils individuell mit den KundInnen.
Zühlke: „Die intensive Vorbereitung der Agenturen deckt sich mit dem, was wir in den vergangenen Monaten auch in unseren Formaten beim GWA erlebt haben. Die Aufmerksamkeit für das Thema war sehr hoch und hat gezeigt, welchen Stellenwert die KI-Kennzeichnung in der Branche inzwischen hat.“
Zur digitalen Pressemappe, inkl. den vollständigen Umfrageergebnissen und Foto von Florian Zühlke: https://tinyurl.com/5ahjt2pf