

Josef Süß
Mitgründer & GeschäftsführerInterview mit Josef Süß
GWA KI Whitepaper 2026 – Die Interviews
Wie ordnest du „Agentic“ ein: echte nächste Welle oder Metaverse-Moment?
Totale Unterschätzung: Agentic löst heute schon Aufgaben in einer Qualität und Geschwindigkeit, die einen nur staunen lassen. Recherche, Analyse, Variantenbildung, Coding, Content, operative Workflows – das passiert bereits. Klar, es klappt noch nicht alles, aber es geht schnell voran. Und es ist kein Ende in Sicht.
Wo scheitern agentische Systeme im Alltag?
Meistens nicht an einem einzelnen Tool, sondern am falschen Umgang damit. Viele geben Agenten zu viele Annahmen, zu wenig Kontext und unklare Ziele. In größeren Unternehmen kommt hinzu: Datenzugriff, Regulatorik, Verantwortlichkeiten und Freigaben sind oft nicht sauber geklärt, und die Standardeinstellung ist „Geht nicht“. Kleinere Unternehmen kämpfen dabei eher mit Chaos. Am Ende ist der Agent nur so gut wie der Prozess, in dem er läuft.
Was bedeutet Agentic für Agenturen und werbetreibende Unternehmen?
Agentic macht Mittelmaß billig. Die Chance ist, dadurch nicht billiger zu werden, sondern besser. Reine Produktion wird stärker Commodity. Erstentwürfe, Varianten, Adaptionen, Visualisierungen und Standard-Assets werden schneller produziert und somit günstiger. Differenzierung und Daseinsberechtigung entstehen woanders: in Strategie, Geschmack, Markenverständnis, Prozessdesign, Qualitätssicherung und Orchestrierung. Für Werbetreibende heißt es: mehr Inhouse-Macht, mehr Geschwindigkeit, mehr Buying-Power, aber auch mehr Verantwortung. Wenn plötzlich viel mehr Output intern möglich ist, braucht es stärkere Leitplanken: Was darf raus? Was muss geprüft werden? Was passt zur Marke? Was ist riskant? Agenturen werden weniger reine Asset-Lieferanten und mehr Architekten kreativer Betriebssysteme.
Senken Agents wirklich Kosten oder verschieben sie diese erst einmal?
Beides. Kurzfristig muss man erst einmal investieren. Man braucht Zeit zu lernen, Fehler zu machen und auch viel Invest in die Unternehmenskultur. Kosten für Setup, Tooling, Monitoring, Datenmanagement, Qualitätskontrolle kommen natürlich dazu. Mittelfristig können Kosten massiv gesenkt werden, wenn nach dem Minimalprinzip der Output gleich bleiben soll. Der ROI und die Magie entstehen, wenn man den Wertschöpfungsprozess neu denkt und neue Umsatzpotenziale erschließt.
Was ist die größte unbequeme Wahrheit über Agenten?
Agentic AI wird uns vor Grundsatzfragen stellen. Wenn der Anspruch Mittelmäßigkeit ist, können Agenten heute schon einen großen Teil der Wertschöpfungskette übernehmen. Viele Tätigkeiten, die bisher teuer und langsam waren, waren nicht unbedingt exzellent. Sie waren nur menschlich gemacht. KI wird hier gnadenlos Menschen ersetzen. Wer nun aber die Idee hat, Mittelmaß billiger zu produzieren und zu verkaufen, wird enttäuscht werden. Mittelmaß wird der Kunde am Ende nicht mehr bezahlen. Der Mensch macht den Unterschied.

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