Außergewöhnliche Ideen: Die Symbiose von Technik und Kreation

| von Andreas Liehr

Das Zusammenspiel von Kreation und Technologie stellt für die Agenturbranche vor allem eine große Chance dar, die Kraft der Ideen zu fördern. Auf der Jagd nach der guten Idee kann Technologie den entscheidenden Impuls geben, damit der kreative Kopf Inspiration findet. Doch wie wirkt sich der starke Einfluss von Technologie auf die kreativen Prozesse und Ideenfindung aus?

Der Hype um neue Technologien ist nachvollziehbar: Technische Weiterentwicklungen und neue Gadgets schaffen neue Touchpoints und können entscheidende Impulse im Kampf um Markt und Kunden liefern – dies ist die eine Seite der Medaille. Auf der anderen Seite verspüren gerade Kreative in der Agenturbranche eine gewisse Angst, wenn es um die Diskussion 'Technologie versus Kreation‘ geht. Jedoch kann Technologie die Kreativität nicht ersetzen – nicht heute und voraussichtlich auch nicht in Zukunft. Die Neugierde und Leidenschaft der Kreativen bleiben auch in Zukunft die Basis dafür, dass sich Ideen entfalten können und begeistern.

Daten kreativ in Szene setzen

Technologische Innovationen erweitern die Machbarkeiten origineller Ideen und animieren zum kreativen Austoben – völlig Neues kann so entstehen. Ein erfolgreiches Beispiel dafür liefert Rothco. Für ihren Kunden Times of London baute die irische Agentur im Rahmen der Times-Kampagne ‚Find Your Voice’ mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz die Rede John F. Kennedys zusammen, die dieser 1963 in Dallas hätte halten sollen. Dafür wurden Audiodaten aus über 800 seiner Reden ausgewertet und adaptiert. Hier werden Daten auf höchst kreative und überraschende Art genutzt, die Herz und Hirn gleichermaßen berühren.

Technologisches Know-how als Fundament kreativen Erfolgs

Damit die ‚richtige Idee’ zur dazu passenden Technologie entstehen kann und umgekehrt, muss das technische Know-how der Kreativen immer auf dem aktuellen Stand sein. Sie benötigen umfassendes Wissen über die Tools, in denen die Kreativität zum Einsatz kommt, um den gesamten ‚Pool der Möglichkeiten’ kreativ auszuschöpfen. Das Spiel mit Technologie fördert und fordert kreatives Potenzial und sorgt für unerwartete Kreationen, die innovative Möglichkeiten miteinbeziehen.

Ein tolles Beispiel dafür ist das Projekt „The Next Rembrandt“: Für die niederländische Bank ING nutzten die Kreativen von J. Walter Thompson Amsterdam Machine Learning, um vielfältige Daten aus 346 Rembrandt-Gemälden auszuwerten. Das aus diesen Daten neu erschaffene Gemälde sieht einem echten Rembrandt täuschend ähnlich. Die Botschaft: ING steht für Innovation und den Einsatz modernster Technologien – aber nicht als Selbstzweck, sondern vor einem hochkarätigen kulturellen Hintergrund, der ideal zur Heritage der Marke passt. So macht die Bank auf sich aufmerksam und erzeugt Traffic zu ihren digitalen Touchpoints.

Kreativ UND technologisch denken – von Anfang an

Kreativität ist „die Fähigkeit vorher nicht da gewesenes, originelles und beständiges Neues zu kreieren“. Schon diese Definition zeigt, wie wichtig es ist, neue Technologien zu nutzen. Damit mehr Technologie zu mehr Kreativität führen kann, müssen die vielfältigen technologischen Möglichkeiten bei der Entwicklung von Ideen und Konzeption von Anfang an in den Prozess eingebunden werden. Gleich, ob am Schluss ein kreatives Social Media-Live-Video, ein TV-Spot oder eine außergewöhnliche VR-Anwendung entsteht. Entscheidend ist, dass die richtigen Konsumenten angesprochen und überzeugt werden. Denn am Ende kommt es immer darauf an, den Absatz oder das Image der Kunden beziehungsweise der Marken mit einer besonderen Idee zu steigern.

 

Andreas Liehr ist Geschäftsführer der Agentur Huth+Wenzel in Frankfurt/Main