Brennpunkt Nachwuchs

| von Peter Brawand

Der GWA als Vertretung der führenden Agenturen Deutschlands hat die Herausforderung „Nachwuchs“ schon vor Zeiten erkannt und bereits zahlreiche Initiativen auf den Weg gebracht, um die Kommunikationsbranche insgesamt und die vielen, damit verbunden Berufsbilder möglichst vielen jungen Menschen als überaus attraktive Karriereplattform näher zu bringen.

Das Thema Nachwuchs und Recruitment ist spätestens jetzt in den Agenturen zur absoluten Chefsache geworden und damit natürlich auch für den GWA Verband selbst. Dahinter stehen drei entscheidende Faktoren:

1)     die demografische Entwicklung kombiniert mit einer hierzulande über Jahre florierenden Wirtschaft führt dazu, dass sich der ohnehin schon bestehende „War for Talent“ immer weiter zuspitzt. Der Wettbewerb unter den Arbeitgebern um die talentiertesten jungen Mitarbeiter ist aufgrund der geburtenschwachen Jahrgänge heutzutage stärker denn je, fehlender Nachwuchs und Fachkräfte sind laut diversen Umfragen hierzulande mittlerweile die Wachstumsbremse No. 1 geworden.

2)     Noch nie gab es so viele unterschiedliche Jobprofile in den Agenturen zu besetzen wie heute. Wo früher Texter, Arter, Berater und Strategen ausreichten, um die Markenkommunikation erfolgreich zu gestalten, sind durch die Digitalisierung und die damit entstandenen neuen Medien und Kanäle zahlreiche zusätzliche Berufsbilder und weitere Arbeitsplätze hinzugekommen – vom Creative Technologist über den Data Analyst bis hin zu Social Media Konzeptionern und Community Managern. Gerade in diesen neuen Berufsbildern ist das Angebot von Fachkräften naturgemäß noch absolut unzureichend. Hier bedarf es ganz besonderer Anstrengungen und Initiativen auf Agentur- und Verbandsseite, dem stetig wachsenden Bedarf an digitalen Spezialisten gerecht zu werden. Zumal sich die Agenturen im Wettbewerb um den digitalen Nachwuchs heutzutage in direkter Konkurrenz zu den zahlreichen in-house Gründungen auf Industrieseite, den Medienhäusern, Start-ups und natürlich auch den großen Technologieunternehmen wie Google, Facebook oder Amazon selbst befinden. 

3)     Selbst in angestammten Berufsbildern wie Textern und Beratern gilt es aufgrund des zunehmenden altersbedingten Ausscheidens der geburtenstarken Jahrgänge für ein kontinuierliches Nachwachsen von Talenten und Young Professionals zu sorgen, um die durchweg gute Auftragslage in den Agenturen überhaupt noch erfüllen zu können. 

Der GWA als Vertretung der führenden Agenturen Deutschlands hat die Herausforderung „Nachwuchs“ schon vor Zeiten erkannt und bereits zahlreiche Initiativen auf den Weg gebracht, um die Kommunikationsbranche insgesamt und die vielen, damit verbunden Berufsbilder möglichst vielen jungen Menschen als überaus attraktive Karriereplattform näher zu bringen. Zu diesen Initiativen zählen:

 -        die Hochschul-/Agentur-Kooperationen im Rahmen der populären GWA Junior Agency 

-        zahlreiche Vorträge junger Agenturmitarbeiter als „Kreativbotschafter“ an Gymnasien und Hochschulen

-        lokal initiierte Veranstaltungen von GWA Mitgliedsagenturen wie die adday/adnight Events in mehreren Großstädten

 -        die 2017 verbandsübergreifend gestartete Kampagne für die Kommunikationsbranche „komm-in-die-agentur.de“

adday/adnight Düsseldorf 2018

Eine Kernaufgabe des zu Beginn diesen Jahres ins Leben gerufenen GWA Vorstandsressorts „Nachwuchs“ besteht im weiteren Ausbau, einer besseren Verzahnung und einer insgesamt höheren Bekanntheit dieser Initiativen und Einstiegsmöglichkeiten für junge Talente. Dazu zählt auch eine anstehende Aktualisierung des Nachwuchsportals des GWA Webauftritts über die nächsten Monate im Sinne einer einfacheren Orientierung und Navigation für Praktikumsinteressierte, Jobeinsteiger und Jobsuchende, auch im Hinblick auf die technisch und IT-geprägten Berufsbilder in den Agenturen.

War spezielles IT Know-how früher, mit allem Respekt, noch eher ein Element der administrativ-operativen Server und System-Pflege einer Agentur, so ist in der Folge der vielzitierten digitalen Transformation Digitales und IT Know-how heutzutage ein integraler Bestandteil der Kampagnenkonzeption, Umsetzung und damit des zentralen Agenturprodukts für Kunden geworden. Kaum ein Meeting findet heute noch ohne digitalen Konzeptioner, Data Analysten oder UX Designer statt.

Das fordert auch verbandsseitig neue Verbindungen und engere Kooperationen mit IT/Technik-orientierten Hochschulen. Zukünftig muss hier durch einen intensiveren Dialog und Informationsaustausch mit den Universitäten ein besseres Verständnis für die Bedürfnisse und Aufgaben der Agenturpraxis geschaffen werden, da manche Absolventen der technischen Bereiche noch nicht immer das für Agenturen auch direkt nutzbare Wissen mitbringen.

Neben der verstärkten Zusammenarbeit mit Hochschulen bilden aber natürlich auch die betriebsinternen Ausbildungen in kaufmännischen und kreativen Berufen weiterhin eine unabdingbare Säule der gemeinsamen Nachwuchsarbeit. Denn gerade die Kommunikationsbranche bietet mit ihrer Kreativität und kulturellen Weltoffenheit, ihren interdisziplinären Aufgaben und individuellen Arbeitszeitmodellen die besten Voraussetzungen für eine neue Generation, die sich mehr an New Work als an Work-Life orientiert. Und es braucht nicht unbedingt einen Master oder Doktortitel, um in diesem Umfeld eine glänzende Karriere zu machen.

Peter Brawand ist CEO der Agentur BrawandRieken und im GWA Vorstand im Ressort „Nachwuchs“.