Machen ist wie Wollen nur krasser

| von Ute Wynands, Dr. KADE Pharma

Der erste GWA China Summit im April führte den GWA nach Beijing, Hangzhou und Shanghai. Dabei haben die Marketingexperten aus Agenturen und Unternehmen nicht nur Einblicke in die Digitalisierung Chinas und den rasanten Aufstieg der chinesischen Technologiekonzerne Tencent, Alibaba und NetEase gewonnen, sondern auch gesehen, was diese Entwicklungen für Marketingkommunikation und die Geschäftsmodelle von Agenturen bedeuten.

Wir sprachen mit Ute Wynands (Leiterin Marketing & Vertrieb, Dr. KADE Pharma) über ihre Erkenntnisse in China und warum auch  Marketingverantwortliche aus Unternehmen an den Innovationsreisen des GWA teilnehmen sollten. 

Was hast Du von der Innovationsreise mitgenommen?

Ute Wynands: Die Reise hat mich unglaublich inspiriert und motiviert, mit noch mehr Ehrgeiz, Mut und Geschwindigkeit an unseren Projekten bei DR. KADE zu arbeiten. Die Einblicke in die Unternehmen und anschließende Diskussionen mit den anderen Teilnehmern haben ein ganz neues, dynamisches Bild eines sicher schnell entwickelnden Landes entstehen lassen. Die Dynamik und der starke Wille zur Umsetzung in China haben mich an einen Spruch in einem unserer Konferenzräume erinnert: “Machen ist wie Wollen nur krasser”. Der ist in China absolute Realität geworden.

Welche Marketingtrends in China werden Deiner Meinung nach auch hierzulande demnächst eine größere Rolle spielen?

Ute Wynands: Super-Apps wie WeChat, die neben der bekannten Kommunikations- und Netzwerkdienste auch sämtliche Einkaufsmöglichkeiten inklusive Bezahlfunktion ermöglichen, lassen feinste Analysen von Nutzerprofilen und damit exakte Kundenwerbung und -steuerung zu. Sicher bei uns dank DSGVO nicht (ganz) umsetzbar, Shopping und Bezahlung über App werden jedoch an Bedeutung gewinnen. Für das Handelsmarketing wird die Umgehung des stationären Handels eine große Herausforderung werden. Die großen Plattformen wie Alibaba und Tencent in China machen vor wie DTC (Direct-to-Consumer-Marketing) sein kann.

Was nimmst Du von der Reise konkret für Deine Arbeit mit?

Ute Wynands: Im Bereich Arzneimittel und Medizinprodukte sind wir gut aufgestellt und haben in der Vergangenheit bereits mit chinesischen Partnern zusammengearbeitet. Als in Deutschland produzierender Mittelständler mit über 130 Jahren Erfahrung sind wir sehr flexibel und ich werde meine neuen Kontakte nach China nutzen, um gemeinsam mit lokalen Unternehmen interessante Produkte und Vermarktungskonzepte zu entwickeln. Dabei denke ich an unsere Schwerpunktthemen Frauengesundheit, Kindervitamine sowie dermatologische Erkrankungen.

Warum sollten Marketingverantwortliche aus Unternehmen an den Innovationsreisen des GWA teilnehmen?

Ute Wynands: Um als Unternehmen einen individuellen Vorteil nutzen zu können, halte ich es für unerlässlich, sich selbst ein Bild zu machen. Wer im Marketing nur am Schreibtisch sitzt, kann seinen Job nicht gut machen. „Fahr‘ raus!“ empfehle ich nicht nur den jungen KollegInnen, sondern gerade auch denen, die meinen, alles zu kennen und zu wissen. Geht zum Kunden, schaut Euch andere Branchen, Länder und Vertriebsstrukturen an und sprecht mit Euren Kunden – nur so könnt Ihr schneller und besser werden. 

 

Interview:  Simone Reifenberger

Eindrücke von Teilnehmern des GWA China Summit 2019