Sechs Tipps zur Teamführung in Zeiten von Corona

| von Susanne Westphal, Institut für Arbeitslust

Ach, was waren das für Zeiten, vor Corona! Auf dem Weg ins Büro die Morgensonne genießen und sich Gedanken machen für den Tag; Ein paar Plauderminuten mit Mitarbeitern in der Kaffeeküche, im Stand-up-Meeting alle auf Stand bringen. Die offene Bürotür signalisierte, dass wir ansprechbar sind und von vielen wurde das genutzt. Man bekam viel mit, über Gesprächsfetzen im Vorbeilaufen. Konnte den Gesichtern anmerken, ob etwas gerade besonders gut gelungen war oder ob sich Verzweiflung breit machte. Und spätestens beim Feierabendbier wusste man dann, wie es jedem gerade geht.

Und jetzt?

Sein Team vom eigenen Homeoffice aus zu führen (mit Kindergeschrei im Hintergrund... waren die eigentlich von Geburt an so laut?) fühlt sich in etwa so an, als müsste man sein schönes Auto mit einer Fernbedienung vom Balkon aus steuern. Dabei gibt es ein paar kleine Tricks, wie sich die virtuelle Zusammenarbeit besser anfühlt: 

Der Weg ins Büro

Es fühlt sich gut an, mit gewohnten Ritualen in den Tag zu starten. Nach der Dusche duftend in ordentliche Klamotten steigen, Jacke anziehen und „ins Büro gehen“. Nur dass wir nach einem kleinen Spaziergang durch die Nachbarschaft wieder an den eigenen Schreibtisch daheim zurückkehren. Aber wir sind nun richtig wach und hatten ein paar Minuten für uns ganz allein.

Morgen-Stand-up

Ein kurzes Videomeeting mit dem Team verbindet. Und es ist wichtig, dass alle sehen: die anderen sind auch noch da, sie sitzen alle im selben Boot und ich weiß woran sie heute arbeiten werden. Das muss gar nicht länger dauern als zehn Minuten und wir sind wieder alle auf Stand.

Im Lieblingsbüro arbeiten

Menschen haben sehr unterschiedliche Vorlieben. Manche sind froh über ein Einzelbüro, wo sie sich in Ruhe konzentrieren können. Andere schätzen den kurzen Zwischenruf über den Schreibtisch und es motiviert sie, wenn sie alle um sich herum auch arbeiten sehen. Jetzt haben sie die Chance, sich ihr Büro so „einzurichten“, wie es ihnen gefällt. Die Extrovertierteren können sich nun auch den ganzen Tag über Zoom oder eine andere Plattform verbinden, sich auf stumm schalten und nur, wenn sie etwas erzählen oder fragen wollen, wieder lauter drehen.

Das Team-Meeting

Es ist eine Herausforderung, ein virtuelles Meeting so zu moderieren, dass dabei in kurzer Zeit etwas herauskommt und die Besprechung auch Spaß macht. Doch mit diesen Tricks gelingt es ganz gut.

Neue Mitarbeiter an Bord holen

Wer das Team noch nicht kennt und neu anfängt, braucht derzeit besondere Zuwendung und Nähe. Am besten gelingt das über Buddies, die sich für ihre Schützlinge verantwortlich fühlen, ihnen die Kollegen vorstellen, sie zu Meetings einladen und ihnen alle Informationen zugänglich machen, die sie für die Arbeit brauchen. Ein zusätzlicher „coffee-buddy“ könnte die Aufgabe übernehmen, sich um die soziale Vernetzung im Team zu kümmern und die Duftmarke der Agentur zu versprühen.

Das Feierabendbier

In der virtuellen Welt braucht es einen Ersatz für den Raucherbalkon, die gemeinsame Mittagspause oder das Feierabendbier. Auch hierfür kann man sich mit Ton und Bild im virtuellen Raum treffen und als Spielregel vereinbaren, dass jetzt mal nicht über die Arbeit gesprochen wird. Da wird dann gemeinsam gekocht und gegessen, die Kinder laufen herum, es gibt vielleicht sogar einen DJ, der sich um musikalische Untermalung kümmert.

So fühlen sich Arbeitstage fast so ähnlich an wie früher und wir werden hoffentlich schon bald sagen: „Weißt Du noch, in dieser Corona-Zeit, als wir....“

 

Susanne Westphal ist Arbeitexpertin und Inhaberin des Instituts für Arbeitslust