Warum sich die Teilnahme an der GWA Junior Agency lohnt

| von Prof. Richard Jung

Wettbewerbe gibt es viele, Kreativwettbewerbe gibt es viele und es gibt sehr viele Nachwuchs- und Hochschulwettbewerbe. Aber die GWA Junior Agency ist ganz besonders. Denn die meisten Wettbewerbe fordern nur einen kleinen Ausschnitt aus dem großen Bereich „Kommunikationsdesign“, „Marketingkommunikation“ und „Werbung“.

Da gibt es zum Beispiel Plakat-Wettbewerbe, Anzeigen-Wettbewerbe, App-Wettbewerbe, Social-Media-Wettbewerbe, UX/UI-Wettbewerbe, Editorial-Wettbewerbe, Foto-Wettbewerbe, Film-Wettbewerbe und und und … 

Einzeln bilden sie eine Berufswelt ab, die so nicht mehr existiert. Denn längst hat die Digitalisierung das Industriezeitalter und damit das lineare Arbeiten, das Hintereinander und Nebeneinander, abgelöst. Ohne interdisziplinäre Teamarbeit und Teamfähigkeit funktionieren Arbeitsprozesse heute nicht mehr.

Außerdem verlangen diese ‚Einzelmedienwettbewerbe“, dass man die Arbeiten meistens anonym irgendwo einreicht. Irgendwann setzt sich eine Jury in eine Kammer und schaut sich die Einsendungen an. Anschließend kommt irgendein Ergebnis dabei heraus. Irgendjemand bekommt irgendwo einen Preis verliehen, aber niemand erfährt so richtig warum und wieso dieser Preis gewonnen wurde. Und bewertet wird eben immer nur ein kleiner Ausschnitt aus den vielfältigen medialen Möglichkeiten, die die öffentliche Kommunikation heute bietet.

Gemeinschaftlich und interdisziplinär

Die GWA Junior Agency ist anders. Es ist zwar alles etwas komplizierter, vor allem die Organisation. Aber es lohnt sich gerade deshalb teilzunehmen, weil der gesamte Prozess vom Briefing bis zur Präsentation durchlaufen wird, der von professionellen Kommunikationsdienstleistern heute gefordert und geleistet werden muss. Vor allem so wie es heute sein sollte: gemeinschaftlich und interdisziplinär über Fachbereichsgrenzen hinweg.

Bei der GWA Junior Agency erfährst du, wie professionell gearbeitet werden sollte. Nämlich nicht alleine irgendwo in der stillen Kammer. Nicht alleine für sich. Nicht nur für ein einziges Medium.

Du machst nicht irgendwie irgendwas fertig und schickst das dann irgendwohin, sondern du lässt sich auf einen langen, arbeitsreichen Prozess ein, der mühsam durchlaufen werden muss. Du brauchst Durchhaltevermögen, musst diskutieren, kooperieren, kollaborieren und akzeptieren, was nicht immer ganz einfach ist. Aber gerade deshalb wird es für dich umso erfahrungs- und lehrreicher sein, selbst wenn dein Team beim GWA Junior Agency Day keinen der ersten Plätze erreicht.

Nicht nur der Einzelne ist mit seiner Leistung gefragt, sondern das Team zählt. Da gibt es Studenten, die analysieren lieber, andere texten, wieder andere gestalten gerne. Die eine macht die Strategie, der andere illustriert. Wieder andere kalkulieren, kümmern sich um die Technik, entwickeln Prototypen, entwerfen Layouts, machen Fotos oder produzieren Filme.

Außerdem verlässt du den theoretischen Hochschulraum, begibst dich in die Praxis und sprichst mit den Profis aus den Agenturen und mit deren Auftraggebern und stimmst eure Arbeitsergebnisse Schritt für Schritt ab. Dabei wird der gesamte strategische, konzeptionelle und kreative Prozess durchlaufen – so wie im richtigen, späteren Berufsleben. Das ist eine sehr wertvolle Erfahrung.

Die gemeinsame Teamarbeit ergibt mehr als die Summe seiner Teile, nämlich eine große, komplexe Leistung, meistens eine Lösung für ein Kommunikationsproblem. Gute Ideen, auf die eine/r alleine nicht gekommen wäre und die einer alleine in diesem Umfang nicht hätte umsetzen können. Außerdem wirst du bereits während des Studiums erleben, wie intensiv, intelligent und kreativ an etwas scheinbar so Einfachem wie Werbung gearbeitet werden muss, wie viele unterschiedlichen Fähigkeiten, Fertigkeiten und Know-how dahinter stecken, um ein überraschendes und überzeugendes Ergebnis zu liefern.

Austausch mit den Experten

Dieses Ergebnis wirst du nicht einfach nur irgendwo anonym einreichen. Sondern dein Team präsentiert eure Arbeit vor einem Publikum und vor allem vor anderen teilnehmenden Teams und einer Expertenjury. So wie im richtigen Leben. Inklusive des Anstiegs des Adrenalinspiegels vor und während der Präsentation und der Erleichterung und Freude danach.

Du wirst beim GWA Junior Agency Day aber nicht nur eure Teamarbeit mit anderen vergleichen können, sondern darüber hinaus erfährst du und dein Team, unmittelbar nach der Gewinnerehrung die neutrale Expertenmeinung der Jurymitglieder. Auch das eine wichtige und sehr hilfreiche Lernerfahrung.

Vor allem aber lernst du am GWA Junior Agency Day auch Studierende aus anderen Hochschulen kennen. Du kannst mit ihnen Einschätzungen der präsentierten Arbeiten austauschen. Und du kannst bereits während der Zusammenarbeit mit der GWA Junior Agency Partneragentur den Aufbau deines beruflichen Netzwerkes starten, das bei deinem Berufseinstieg und für deinen weiteren Karriereweg sehr nützlich werden kann.

Last, but not least, wird der GWA Junior Day mit einer großen Party beendet und der Abschluss des Projekts gefeiert - wie im späteren Berufsleben.


Moderne Wissensvermittlung

So wie die GWA Junior Agency funktioniert, muss Lehre und Wissensvermittlung heute sein. Leider tun sich viele Hochschulen immer noch sehr schwer damit, interdisziplinär zu lehren. Auch zeitgemäße didaktische Lehrmethoden wie Projektarbeit, Co-Teaching und die Öffnung der Lehre weg von der Theorie hin zur Praxis halten leider immer noch viel zu wenig Einzug in die Lehrpläne.


Gemeinsam mit meinem Marketingkollegen Prof. Harald Vergossen und meinem Digitaldesignkollegen Prof. Thorsten Kraus nehme ich jetzt schon seit rund zehn Jahren regelmäßig an der GWA Junior Agency teil. Diese Veranstaltung hat uns deshalb schon sehr früh dazu gebracht, interdisziplinär zu kooperieren und Studierende unterschiedlicher Fachrichtungen sowie deren zukünftige Arbeit- oder Auftraggeber in einem professionellen Projekt zusammenzubringen.

Die Begeisterung und Nachfrage unserer Studierenden war und ist nach wie vor groß. Einige Alumni arbeiten in den ehemaligen Partneragenturen, andere haben sich erfolgreich gemeinsam selbstständig gemacht. Kurz: Gäbe es den Hochschulwettbewerb GWA Junior Agency nicht, sollte man ihn spätestens heute erfinden.

Vielleicht sehen wir uns ja mal bei eine der nächsten GWA Junior Agency. Es würde mich freuen.

 

Richard Jung ist Professor für Kommunikationsdesign an der Hochschule Niederrhein