Wenn Diversität Gestalt annimmt

| von Simone Reifenberger (GWA)

Der GWA startete mit einem neuen Auftritt und klarer Agenda ins Jahr 2021. Entwickelt hat die neue Corporate Identity die Designagentur Mutabor unter Leitung des ehemaligen ADC-Präsidenten Heinrich Paravicini. Wir haben mit ihm über den Ansatz und die Hintergründe des Redesigns gesprochen

Welche Anforderungen gab es an den neuen Auftritt des GWA?

Heinrich Paravicini:  Es ging darum aufzuzeigen, dass der GWA sich des Images als »Werberverband« entledigt hat und ein modernes, vielseitiges Bündnis der besten Kommunikationsagenturen Deutschlands geworden ist. Auch der Aspekt Diversität war in mehrerlei Hinsicht wichtig. Erstens sollte der neue Auftritt die Vielseitigkeit der Mitgliedsagenturen darstellen. Zweitens spielt das Thema im eigentlichen und politischen Sinne im GWA in Zukunft eine große Rolle - was mit der Besetzung eines eigenen Vorstandsressorts einherging. Diversität ist das Kernthema des neuen Auftritts.

Wie seid Ihr bei der Entwicklung des neuen Designs vorgegangen?

Heinrich Paravicini: Grundsätzlich bin ich ein Freund davon, beim Redesign einer Marke zunächst einmal das anzuschauen, was da ist. Und wir haben festgestellt, dass das bisher verwendete GWA Logo eine gute formale Idee hatte: das zum a gespiegelte g. Basierend auf dem Redesign dieser Idee haben wir uns gefragt, wie aus diesem Ansatz Diversität erwachsen könnte.

Zudem war der GWA bisher in seiner visuellen Gestalt abhängig war von Bildern, die die Mitgliedsagenturen zur Verfügung gestellt haben. Bei gutem Bildmaterial sah der GWA gut aus, bei weniger gutem fiel der Auftritt ab. Denn es gab kein grafisches Handwerkszeug, um selber präsenter zu erscheinen. Das wollten wir ändern.

Was zeichnet den neuen Auftritt aus?

Heinrich Paravicini: Wir haben es geschafft, mit wenigen sehr einfachen grafischen Mitteln eine komplette Welt zu erschaffen, die immer wieder neu und spannend kombiniert werden kann und jedes einzelne Medium mit wenigen Handgriffen zu einem GWA-Medium macht. Dabei helfen uns eine spezielle Farbigkeit, ein ausgeklügeltes Schriftsystem und vor allem ein grafischer Formenbaukasten, den man ähnlich wie LEGO kreativ anwenden kann.

Was war die größte Herausforderung bei der Entwicklung des Designs?

Heinrich Paravicini:  Erstaunlicherweise gab es wenig echte »Herausforderungen« im negativen Wortsinn, eher gab es viel Motivation von allen Seiten. Es war wirkliche Teamarbeit! Sowohl mit dem Präsidium als auch mit der Geschäftsstelle. Zwischendurch bestand die Qual der Wahl, als wir noch mehrere Vorschläge im Rennen hatten. Wenn es also eine Herausforderung gab, dann vielleicht diese.

Der neue Auftritt erinnert an die 60er und 70er Jahre. Wie passt das zu den Herausforderungen von Agenturen im Jahr 2021?

Heinrich Paravicini:  Wenn man das aktuelle Redesign von Burger King anschaut, möchte man meinen, diese Epoche hätte im Design wieder Hochkonjunktur. Aber darum geht es nicht. Was interessanterweise passiert ist, dass die einfachen, intelligent gemachten Design-Grundsätze der 60er und 70er Jahre angesichts des Digital-First-Denkens wieder Hochkonjunktur haben. Auch damals - als der Fotosatz neu war - waren Raster und grafische, zweidimensionale Zeichen und Systeme gefragt. Praxisnahe Designlösungen ersetzten das Handgemachte, Florale und Expressive der 50er und dennoch entstanden grandiose Erscheinungsbilder von Anton Stankowski oder Otl Aicher. Heute heißen die Raster »Wireframes« oder »Templates« und die grafischen zweidimensionalen Elemente »Responsive Libraries«. Und genau das ist das Setting, welches beim neuen GWA Auftritt zum Tragen kommt: Es geht um Flexibilität in den digitalen Medien bei gleichzeitiger Eindeutigkeit. Wir haben uns darum auf Grundformen verständigt, die wir inszenieren. Und damit tun wir etwas, was auch schon Otl Aicher und die Ulmer Schule vor 50 Jahren inspiriert hat: wir berufen uns auf das Bauhaus.

Wenn man so will ist das neue Erscheinungsbild des GWA so etwas wie eine kleine »digital gewordene Kurzgeschichte des deutschen Designs«. Und dieses hat unter anderem auch Steve Jobs und den langjährigen Chefdesigner von Apple, Jony Ive, inspiriert.

Wie wurde das Kernthema Diversität umgesetzt?

Heinrich Paravicini:  Der Auftritt ist bunt, sehr bunt - und spielt mit einer Fülle von Formen, die alle aus dem Logo abgeleitet sind. Vom Logobaukasten für Veranstaltungen und Themen bis hin zu animierten Instagram-Stickern. Wir können gespannt sein, was sich in den nächsten Jahren noch aus dem Designbaukasten entwickeln wird.

 

Heinrich Paravicini ist geschäftsführender Gesellschafter der Designagentur MUTABOR

Das neue GWA Corporate Design 2021

Quelle: Mutabor