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Anschlusspraktikum ohne Mindestlohn möglich

In ihren Semesterferien machen viele Studenten ein Praktikum. Regelmäßig melden sich deshalb Mitgliedsagenturen beim GWA mit folgender Frage:

Kann ein Student, der sein Pflichtpraktikum in der Agentur macht, anschließend noch im Rahmen eines freiwilligen Praktikums weiterarbeiten? Und geht das ohne Mindestlohn?

Die Antwort lautet: zweimal ja! 

In den verschiedenen Broschüren und Materialien des Bundesarbeitsministeriums und des Zolls ist leider keine abschließende Antwort zu finden. Aus dem Mindestlohngesetz lässt sich zwar eine Lösung herauslesen, aber ich habe mich nochmals vergewissert und bei der Hotline des Bundesarbeitsministeriums nachgefragt (Tel. 030-60280028). Frau Walther bestätigte mir am 11. Juli Folgendes:

Ein Student, der während seines Pflichtpraktikums in der Agentur den Wunsch äußert, im Anschluss noch einige Zeit zu verlängern, kann dies im Rahmen eines freiwilligen Praktikums machen, ohne mindestlohnpflichtig zu sein.

 Dabei ist Folgendes zu beachten:

- Der Praktikant darf nicht bereits früher in Ihrer Agentur ein Praktikum gemacht haben,

- das freiwillige Praktikum darf (im Anschluss an das Pflichtpraktikum) max. 3 Monate dauern und

- vor Beginn des freiwilligen Praktikums sollte ein extra Vertrag gemacht werden, der sich ausdrücklich auf das "freiwillige Praktikum" bezieht.

Tipp: Dieser Zusatzvertrag sollte idealerweise auch den Hinweis enthalten, dass im Verlauf bzw. gegen Ende des Pflichtpraktikums vom Studenten der Wunsch geäußert wurde, das Praktikum zu verlängern, um weitere vertiefende Erfahrungen zu sammeln und Einblicke in die Abläufe in der Agentur zu erhalten.

Beachte: Bei den Praktika sollte der Erwerb von Kenntnissen und Fähigkeiten im Vordergrund stehen. Liegt der Schwerpunkt hingegen im Erbringen von Arbeitsleistungen, besteht die Gefahr, dass das normale Arbeitsrecht anzuwenden ist mit Lohnanspruch, Kündigungsregelungen etc.

Leider findet sich die Frage nicht bei den FAQ auf der Homepage http://www.bmas.de/ oder http://www.der-mindestlohn-wirkt.de/

Einige Informationen sind jedoch zu finden unter http://www.zoll.de/DE/Fachthemen/Arbeit/Mindestarbeitsbedingungen/Mindestlohn-Mindestlohngesetz/Anwendungsbereich-Mindestlohngesetzes/anwendungsbereich-mindestlohngesetzes_node.html;jsessionid=6D6BCD993009EE741499C21C05D588DF.live4412

Zwei Vertragsmuster für Pflicht- und freiwilliges Praktikum sind zu finden in der Broschüre des BMAS auf den Seiten 24-26 bzw. 28-30:

http://www.arbeitgeber.de/www%5Carbeitgeber.nsf/res/Leitfaden_Praktika.pdf/$file/Leitfaden_Praktika.pdf

Tipp: Es ist dringend zu empfehlen, den jeweiligen Vertrag vor Beginn des jeweiligen Praktikums abzuschließen!

Empfehlung: Die Vergütung kann im Pflichtpraktikum geringer ausfallen als im anschließenden freiwilligen Praktikum, da der Student sich ja zunehmend Agenturkenntnisse aneignet und qualifizierter eingesetzt werden kann. 

In beiden Praktika ist kein Mindestlohn zu zahlen, sondern kann die Vergütung frei vereinbart werden. Es handelt sich dabei also um eine Art "Aufwandsentschädigung" (z.B. Essens- und Fahrtkostenzuschuss).

Weitere Informationen zum Thema Mindestlohn sind zu finden auf unserer Homepage www.gwa.de im "Mitgliederbereich" in der Rubrik "Rechtsthemen".

Autor: Martin Bonelli (Syndikusrechtsanwalt im GWA), Tel. 069 - 256008 - 16, E-Mail: martin.bonelli@gwa.de

Stand: August 2017

Haftungsausschluss:Dieses Merkblatt wurde nach bestem Wissen und gewissenhafter Einschätzung der Rechtslage erstellt. Eine Haftung für Vollständigkeit und Richtigkeit kann nicht übernommen werden. Es soll Anregungen geben, ersetzt jedoch nicht eine rechtliche Beratung im Einzelfall und stellt keine Rechtsberatung dar.

 

 

Martin Bonelli

Martin Bonelli

Tel.:069 - 256008 - 16
E-Mail:martin.bonelli@gwa.de
Position:Rechtsanwalt (Syndikusrechtsanwalt)