

Joerg G. Fieback
CEO und Co-Founder, GWA-VorstandInterview mit Joerg G. Fieback
GWA KI Whitepaper 2026 – Die Interviews
Wenn KI die Arbeitsteilung zwischen Unternehmen und Agenturen neu ordnet: Welche besonderen Voraussetzungen, Chancen und Spannungen siehst du für ostdeutsche Agenturen und Märkte?
Wenn KI die Arbeitsteilung zwischen Unternehmen und Agenturen neu ordnet, geht es aus meiner Sicht nicht zuerst um Ost oder West. Es geht um unterschiedliche Marktlogiken.
Im Osten erleben wir häufig Kunden, die sehr genau auf Wirkung, Effizienz und Machbarkeit schauen. Budgets werden bewusster eingesetzt, Teams arbeiten schlanker, Entscheidungswege sind oft direkter. Das kann eine Einschränkung sein. Es kann aber auch ein Vorteil sein, weil KI dort selten als Spielerei diskutiert wird, sondern sofort an der Frage hängt: Was bringt uns das konkret? Was wird einfacher, schneller, besser oder messbarer?
Für ostdeutsche Agenturen liegt darin eine besondere Chance. Wir sind es gewohnt, mit knapperen Ressourcen unternehmerisch zu arbeiten, nah am Kunden zu sein und Lösungen zu entwickeln, die im Alltag funktionieren müssen. Diese Haltung passt gut zu KI – wenn man sie nicht nur als Effizienztool versteht, sondern als neues Betriebssystem für Agenturarbeit.
Natürlich verändert KI die Arbeitsteilung. Viele Unternehmen werden operative Leistungen stärker intern abdecken können: Texte, Varianten, einfache Content-Produktion oder erste Analysen. Das ist ein Risiko für Agenturen, deren Wert vor allem in der Ausführung liegt. Es ist aber auch eine Chance, wenn Agenturen ihren Mehrwert neu definieren: über Orientierung, Strategie, Markenführung, Systemkompetenz, Qualitätssicherung und kreative Übersetzung.
Bei uns verändert KI deshalb nicht nur die Produktion. Sie verändert Research, Strategie, Ideation, Kreation, Operations und zunehmend auch das Geschäftsmodell. Die eigentliche Leistung verschiebt sich: weg vom einzelnen Asset hin zu Systemen, die bessere Entscheidungen, konsistentere Kommunikation und schnellere Umsetzung ermöglichen.
Der eigentliche Agenturmehrwert liegt künftig aus meiner Sicht in etwas anderem: Human Intelligence. Denn wenn Kunden operativ mehr selbst machen können, wird Urteilskraft wichtiger als Erstellung. KI macht Output billiger, aber gute Entscheidungen nicht automatisch leichter.
Hinzu kommt: KI übernimmt bestehende Muster, Narrative und Bias aus ihren Trainingsdaten. Studien zeigen bereits, dass dadurch gesellschaftliche oder regionale Vorurteile reproduziert werden können. Umso wichtiger werden menschliche Einordnung, kulturelles Verständnis und verantwortungsvolle Kommunikation.
Die Chance ostdeutscher Agenturen liegt deshalb nicht darin, KI lauter zu erzählen, sondern darin, sie bodenständiger nutzbar zu machen: weniger Hype, mehr Wirkung.

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