Viel Technologie, wenig Marke:

Mutabor und The Relevance Group haben in der vierten Ausgabe ihrer Brand-IQ-Studie zehn etablierte Automations- und Robotikmarken sowie fünf Challenger untersucht. Das Ergebnis: Siemens Digital Industries führt das Ranking mit einem Brand IQ von 133 deutlich an und ist die einzige Marke im sehr hohen Leistungsbereich. Gleichzeitig zeigt die Studie branchenweit deutliche Defizite bei Design und KI-Sichtbarkeit. Besonders auffällig: Viele Unternehmen verfügen über hohe technologische und fachliche Kompetenz, übersetzen diese aber nur unzureichend in Markenstärke und Sichtbarkeit in generativen Suchsystemen.

Fabrikautomation, Physical AI, humanoide Roboter: Kaum eine Branche steht so stark für Innovation und Zukunft wie Automation & Robotics. Doch technologischer Fortschritt allein macht noch keine starke Marke. Der Brand IQ analysiert, wie intelligent die untersuchten Unternehmen ihre Marken in Strategie, Design, Kommunikation und Innovation führen.

»Die Branche zeichnet technologisch klare Zukunftsbilder, doch nur wenige Marken übersetzen diese Substanz konsequent in Markenstärke. Wer heute in Strategie, Design, Kommunikation und KI-Sichtbarkeit gleichermaßen überzeugt, sichert sich einen Vorteil, den reine Technologieführerschaft allein nicht bietet«, so Heinrich Paravicini, CCO und Co-Gründer von Mutabor.

Siemens setzt die Benchmark

Der Brand IQ bewertet Marken auf einer Skala von 0 bis 160, angelehnt an den menschlichen IQ. Werte über 100 stehen für zukunftsgerichtete Markenführung, Werte unter 70 zeigen akuten Handlungsbedarf. Der Score verbindet eine qualitative Designanalyse mit quantitativen Daten, die Auswertung wird durch KI unterstützt.

Mit einem Brand IQ von 133 setzt sich Siemens Digital Industries deutlich an die Spitze und ist als einzige untersuchte Marke im sehr hohen Leistungsbereich. Siemens führt beim Fit zu Branchenthemen, bei Owned Media Impact und Earned Media Impact sowie bei AI Readiness & GEO. Mit dem Maximalwert von 160 in der letztgenannten Kategorie zeigt die Marke, wie Website, Social Media, externe Autorität und zitierbare Inhalte zusammenspielen können. Auch beim Design gehört Siemens zu den stärksten etablierten Marken. 

Enges Verfolgerfeld mit unterschiedlichen Stärken und Schwächen

Hinter Siemens folgt eine eng gestaffelte Gruppe etablierter Anbieter. ABB erreicht einen Brand IQ von 109 und erzielt trotz der niedrigsten Digital Readiness im Wettbewerbsfeld die zweitstärkste AI-Readiness-&-GEO-Performance. Fachliche Autorität und relevante Inhalte kompensieren hier technische Schwächen. 

KUKA folgt mit 108 Punkten und überzeugt mit einem klaren strategischen Robotik-Profil. Jungheinrich (103) ist in Marktpräsenz, Owned und Earned Media sowie Digital Readiness stärker aufgestellt als die strategische Sichtbarkeit vermuten lässt. Bosch Rexroth (102) zeigt ein insgesamt ausgewogenes Profil, übersetzt seine fachliche und kommunikative Stärke jedoch bislang nur begrenzt in KI-Sichtbarkeit. 

Bei den Marken mit einem Brand IQ unter 100 zeigt sich die Diskrepanz zwischen technologischer Kompetenz und Markenstärke besonders deutlich: FANUC (92), Dürr (91), SEW-EURODRIVE (91) und Festo (89) verfügen über technologische Kompetenz und teilweise starke Einzelwerte, schaffen daraus aber noch kein durchgängig differenzierendes Markenprofil. Yaskawa bildet mit 68 Punkten das Schlusslicht und liegt in sieben von acht Kategorien unter dem Branchendurchschnitt. Besonders deutlich fällt mit 38 Punkten der Rückstand bei AI Readiness & GEO aus. 

GEO wird zum Flaschenhals der Industrie

Entscheidend für die geringe KI-Sichtbarkeit ist dabei weniger die technische Zugänglichkeit der Websites als die Prompt-Abdeckung: Viele Unternehmen decken zu wenige relevante Fragestellungen und Anwendungskontexte mit zitierbaren Inhalten ab. „Nahezu jede etablierte Marke zeigt dasselbe Muster: Vorhandene fachliche Autorität, Content oder Reichweite wird nicht in KI-Sichtbarkeit übersetzt“, sagt Aaron Herbst, Managing Partner Interactive Marketing Group (Teil von The Relevance Group).

Humanoide Roboter verändern auch die Markenlogik

Humanoide Robotik ist bei Investoren gefragt. Die Bewertungen liegen teilweise im Milliardenbereich. Die fünf untersuchten Challenger Boston Dynamics, Unitree, NEURA Robotics, Figure und 1X Technologies bewegen sich zunehmend zwischen B2B und B2C. Vor allem Figure und 1X entwickeln humanoide Roboter auch für den privaten Alltag und orientieren ihre Markenführung entsprechend stärker an Consumer-Electronics-Marken.

Unter den Challengern sticht Boston Dynamics (98) mit dem reifsten strategischen B2B-Profil hervor. Figure (93) setzt dagegen vor allem beim Design Maßstäbe: Mit 131 Punkten erzielt das Unternehmen den höchsten Wert für Corporate-Identity-Kohärenz im gesamten Ranking und liegt bei Designqualität mit 120 Punkten nur hinter Siemens. NEURA Robotics (91) verbindet hohe strategische Sichtbarkeit mit der stärksten Owned-Performance unter den Challengern. »Milliardenbewertet, eine der heißesten Gründungen in Deutschland der letzten Zeit – mit globalem Anspruch und einem charismatischen Gründer. Da erwartet man natürlich auch einen herausragenden Markenauftritt. Leider ist dieser noch nicht ganz am Ziel«, beurteilt Paravicini das Design von NEURA Robotics.

Design bleibt der blinde Fleck

Nur Siemens, ABB sowie die consumer-orientierteren Challenger Figure und 1X erreichen hohe Werte im Design-Score. Bei vielen klassischen B2B-Anbietern fehlen dagegen ein kohärentes Erscheinungsbild und ein eigenständiger Look. 

»Technologieführerschaft und Markenführerschaft sind nicht dasselbe. Intelligente Marken entstehen erst, wenn Strategie, Design, Kommunikation und digitale Zukunftsfähigkeit zusammenspielen. Wer das nicht schafft, bleibt technologisch relevant, aber markenseitig unter seinen Möglichkeiten«, so Heinrich Paravicini.

Methodik: Acht Dimensionen, ein Score

Der Brand IQ Score verbindet qualitative Designanalysen mit quantitativer Datenerhebung und KI-gestützter Auswertung. Die Datenerhebung fand bis zum 1. September 2026 statt. Bewertet werden acht Markendimensionen:

  • Sichtbarkeit der Strategie
  • Strategischer Fit zu Branchenthemen
  • Corporate Identity Kohärenz
  • Designqualität & Anwenderfreundlichkeit
  • Owned Media Impact
  • Earned Media Impact
  • Digital Readiness
  • AI Readiness & GEO (Generative Engine Optimization)

Die Analyse basiert ausschließlich auf der externen Markenwahrnehmung und öffentlich zugänglichen Daten. Aussagen über interne Markenführung oder Entscheidungsprozesse sind damit nicht verbunden.

Brand IQ erscheint vierteljährlich, jeweils mit einem neuen Branchenfokus. Die erste Ausgabe widmete sich der deutschen Energiebranche (Dezember 2025), die zweite dem E-Commerce (März 2026) und die dritte dem deutschen Finanzmarkt (Juni 2026). Die aktuelle Studie bietet nun Markenverantwortlichen im Automation- und Robotics-Sektor fundierte Einblicke, Benchmarking-Möglichkeiten und konkrete Ansätze zur Weiterentwicklung.

Hier geht es zur kompletten Brand IQ Studie: www.brandiq-studie.de

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